Spaziergänger zwischen Schnee bedeckten Bäumen.(© reuters)

Rund 16 Millionen Tonnen Schnee sollen Chinas Wettermacher über Peking zum Rieseln gebracht haben.

Mit der bislang grössten Wetteraktion haben Chinas künstliche Regenmacher die Sonne über einer Militärparade in Peking scheinen lassen.

Da Smog, Nebel und dunkle Wolken die Feiern und insbesondere die grosse Flugshow der Luftwaffe bedrohten, wurden Anfang Oktober die Wolken mit Chemikalien zum Regnen gebracht, so dass die Luft vorher reingewaschen wurde, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

18 Flugzeuge und 48 mobile Trupps im Wettereinsatz

Dafür werden die Wolken meist mit Silberjodid oder Trockeneis geimpft. 18 Flugzeuge und 48 mobile Einsatztrupps der Volksbefreiungsarmee seien neben den zivilen Wettermanipulatoren der chinesischen Hauptstadt im Einsatz gewesen.

Die Luftwaffe studiere die Manipulation von Wetterphänomenen schon seit den 50er Jahren, berichtete Xinhua. Der Wettereinsatz, der für bestes «Kaiserwetter» zum Jahrestag sorgte, war demnach noch grösser als vor der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spielen vor einem Jahr in Peking, wo die Regenmacher auch für klaren Himmel sorgen mussten.

Zigarettengrosse Silberjodidstangen als «Zünder»

In einer neuerlichen Wetteraktion am vergangenen Wochenende wurde eine riesige Menge Schnee zum Abrieseln gebracht. Der Metereologische Dienst begann nach eigenen Angaben bereits am Samstagabend damit, die Wolken mit zigarettengrossen Silberjodidstangen zu beschiessen, wie die «Times of India» berichtet.

Dann habe es nach und nach zu schneien begonnen - es sei dadurch auch kälter geworden, und nun sei die chinesische Hauptstadt weiss bedeckt. Nicht ohne Stolz wurde verkündet, dass 16 Millionen Tonnen Schnee gefallen seien. Sämtlicher Smog sei vertrieben worden.

250 Milliarden Tonnen Niederschlag produziert

Angaben der US-Wissenschaftszeitschrift «Technology Review» zufolge gibt die Volksrepublik jährlich 60 bis 90 Millionen Dollar (61 bis 92 Millionen Franken) für das Wettermachen aus. Von 1999 bis 2007 seien mehr als 250 Milliarden Tonnen Niederschlag produziert worden.

Die Technik stamme aber eigentlich aus den USA, wo einst der Wissenschaftler Bernard Vonnegut, Bruder des Schriftstellers Kurt Vonnegut, mit Silberjodid experimentierte. Auch Russland habe sich in der Vergangenheit daran versucht, «Wettergott» zu spielen. So soll eine Wetterfront, die 1986 radioaktive Teilchen aus dem Reaktor-Unfall von Tschernobyl Richtung Moskau transportiert habe, kurz vor der Hauptstadt zum Abregnen gebracht worden sein.

Technologie umstritten

Trotz 30-jährigen Experimentierens gibt es laut einem Bericht der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2003 aber «»immer noch keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Versuche absichtlicher Wetterbeeinflussung», berichtet orf.at.

Auch China versuchte in der Vergangenheit eher, seine Versuche auf dem Feld kleinzureden.«Das vom Menschen veränderte Wetter ist nicht so zielgerichtet und genau, wie wir dachten», gab der Chefmeteorologe des Pekinger Wetteramts, Sun Jisong, zu.

Bei den Berichten über den Erfolg von Einsätzen ist man jedenfalls auf die Angaben des Metereologischen Dienstes angewiesen. Theoretisch hätte der Schnee derzeit auch auf natürliche Weise fallen können - selbst wenn es zehn Jahre her sei, dass Peking zum letzten Mal so früh im Jahr angezuckert war, heisst es in Medienberichten.