Angela Merkel dreht sich nach klatschenden Menschen um.(© reuters)

Angela Merkel ist nach Konrad Adenauer 1957 als einzige Kanzlerin vor dem US-Kongress aufgetreten.

Ihre Rede vor dem Kongress wurde zu einer ganz persönlichen Hommage an die USA. Sie erzählte, wie sie sich als Teenager für eine bestimmte Jeans-Marke interessierte, die ihr ihre Tante aus dem Westen schickte.

Und sie erzählte, wie sie sich ein Bild von den USA aus Büchern machte, die Verwandte über die innerdeutsche Grenze schmuggelten. «Ich habe mich begeistert für den American Dream: Die Möglichkeit für jeden Erfolg zu haben, durch eigene Anstrengung es zu etwas zu bringen.»

Viel Zuspruch - aber nicht immer

Die halbstündige Rede Merkels wurde rund 20 Mal von Beifall unterbrochen. Mehrfach applaudierten die Abgeordneten in Stehen. Am meisten Zustimmung erhielt die Kanzlerin für ihre Solidaritätsbekundungen für Israel im Atomstreit mit dem Iran. «Wer Israel bedroht, bedroht auch uns», sagte sie.

Gespaltene Reaktionen gab es lediglich beim Thema Klimaschutz. Für die Mahnungen Merkels, bei der bevorstehenden UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen zu ehrgeizigen Zielen zu kommen, konnte sich nur etwa die Hälfte der anwesenden Senatoren und Repräsentanten begeistern.

Obama: «Merkel ist energiegeladen»

Zudem bedankte sie sich bei den USA für die Unterstützung bei der Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren. «Das werden wir dem amerikanischen Volk nie vergessen», sagte Merkel vor ihrem Auftritt beim Parlament bei einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama im Weissen Haus. Obama würdigte die deutsch-amerikanischen Beziehungen als «ausserordentliche Säule der transatlantischen Beziehungen».

Obama nannte die Kanzlerin mit Blick auf die Klimapolitik eine «aussergewöhnliche Führungspersönlichkeit».

In Fragen der internationalen Wirtschaftspolitik und im Kampf gegen die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen sei Merkel «nachdenklich und energiegeladen», lobte der US-Präsident.

Kanzlerin im Schatten der Diktatur aufgewachsen

Deutschland habe viel dazu beigetragen, dass die Afghanen selbst mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen könnten, sagte Obama.

Die Rede Merkels vor dem US-Kongress hatte Obama im Vorfeld als «besonderen Moment» für die Kanzlerin bezeichnet. Sie sei in der DDR im Schatten der Diktatur aufgewachsen und habe dann die Freiheit kennenlernen können. Heute führe sie ein Deutschland, das ein zentrales Element eines freien Europa sei.

Afghanistan, Klimaschutz, Iran

Bei dem Treffen mit Obama sollte es auch um die Themen Afghanistan, Klimaschutz und um den Atomstreit mit dem Iran gehen. Obama würdigte zu Beginn des Gespräch das deutsche Engagement in Afghanistan.

Die Ehre eines Auftritts vor beiden Kammern des Parlaments hatte bisher als einziger Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1957.

Merkel hat den Termin für die 30-minütige Rede bewusst in die Woche vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls gelegt. Merkel war am Montagabend in Washington eingetroffen und fliegt schon am Dienstagnachmittag wieder nach Berlin zurück. Am Mittwoch und Donnerstag wird der neue Aussenminister Guido Westerwelle zu seinem Antrittsbesuch in Washington erwartet.
(agenturen/halp/fref)