Kreuz in einem italienischen Schulzimmer.(© reuters)

Laut Gericht muss das Kreuz abgehängt werden.

Für Unterrichtsministerin Maria Stella Gelmini ist das Kreuz ein Symbol der italienischen Tradition. Die Strassburger Richter waren jedoch der Ansicht, dass mit einem Kreuz an der Wand das Recht der Schüler auf Religionsfreiheit verletzt wird.

Das europäische Gericht gab mit seinem Entscheid einer Mutter Recht, die sich zuvor durch alle italienischen Instanzen geklagt hatte und stets gescheitert war. Italien muss der Klägerin nun 5000 Euro Entschädigung zahlen.

«Recht auf Kultur»

Richter Nicola Lettieri, der Italien vor dem Strassburger Gericht verteidigt, kündigte nach Angaben italienischer Medien an, dass Italien gegen den Entscheid vorgehen werde. Das italienische Bildungsministerium reagierte empört und verbat sich die Verurteilung. «Das Kreuz in den italienischen Schulklassen ist ein Symbol unserer Tradition. Niemand, nicht einmal ein ideologisch beeinflusstes Gericht, wird uns unserer Traditionen berauben und unsere Identität auslöschen», sagte Unterrichtsministerin Gelmini.

Der christdemokratische Politiker Rocco Buttiglione sprach von einem «skandalösen Urteil», das Italien entschieden ablehnen müsse. «Italien hat ein Recht auf seine Kultur, seine Tradition und seine Geschichte. Die Strassburger Richter wollen unsere kulturelle Identität ausradieren», so Buttiglione.

Vatikan schockiert, Altkommunisten zufrieden

Der Vatikan sei schockiert über das Strassburger Urteil. Es sei «falsch und kurzsichtig», das Kruzifix aus dem Bildungsbereich ausschliessen zu wollen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Auch die italienische Bischofskonferenz CEI verurteilte den Entscheid. Sie sprach von einer «ideologischen Vision». Das Kruzifix sei nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Symbol, hiess es in der Reaktion der Bischofskonferenz. Die EU-Abgeordnete Alessandra Mussolini meinte, Italien müsse einen Bezug auf seine katholischen Wurzeln in der Verfassung verankern.

Der Vorsitzende der altkommunistischen Partei «Rifondazione Comunista», Paolo Ferrero, begrüsste das Urteil aus Strassburg. «Ein laizistischer Staat muss alle Religionen respektieren und sich mit keiner identifizieren», erklärte Ferrero.
(sda/fasc)