Mädchen auf einer Strasse in Pattaya tanzend.(© sf)

Die sexuelle Ausbeutung von Kindern erfolgt vor allem in ostasiatischen Ländern.

Die Fachstelle ECPAT Switzerland der Stiftung Kinderschutz Schweiz befragte Anfang Jahr gut 1800 Personen im Alter von 15 bis 79 Jahren via Online- oder Papierfragebögen. Die mit Hilfe der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden durchgeführte Umfrage sei zwar nicht repräsentativ, zeige aber erstmals in der Schweiz Tendenzen auf, erklärte Cordula Sanwald von der Kinderschutz-Stiftung in Montreux.

So erachteten es über 80 Prozent der Befragten als sehr wichtig, dass sich Schweizer Reiseveranstalter in diesem Bereich engagierten. Die Reisenden seien damit bereits erfreulich auf das Thema sensibilisiert und forderten ein klares Bekenntnis der Reise- und Tourismusbranche gegen dieses Verbrechen an Kindern in Feriendestinationen ein, folgerte die Expertin.

Viele Klischees und Fehlinformationen

Die Umfrage zeigte laut Sanwald aber auch, dass bezüglich Kindersextourismus noch zu viele Klischees und Fehlinformationen bestehen. So gehe noch einer von fünf Befragten davon aus, dass es gesellschaftlich geduldete Gründe gebe, Kindersextourismus zu rechtfertigen. Und 30 Prozent der Befragten seien der irrigen Meinung, die Tätermotivation sei meist eine pädophile Neigung.

Sanwald stellte dazu fest, dass die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen im Tourismus kein Kavaliersdelikt sei und auch nicht primär von Pädophilen begangen werde. «Es handelt sich vielmehr um eine Sexualstraftat, die im Kontext von sexueller Gewalt, Kinderprostitution, Kinderhandel und Kinderpornographie steht. Die Mehrheit der Täter sind Gelegenheitstäter», betonte Sanwald.

Es gehe also um Täter, die in der Anonymität eines fremden Landes einfach nur den Kick suchten und dabei Kinder zu Opfern machten. Über die Hälfte der Befragten wies immerhin Kindersextourismus als moralisch nicht vertretbar zurück und eine Mehrheit plädierte für eine verstärkte Informations- und Präventionsarbeit.

Konsumenten zu Mehrausgaben bereit

20 Prozent würden laut Sanwald gar einen Aufpreis zahlen, wenn der Einsatz gegen Kindersextourismus garantiert wäre. Neben den Medien wünschten sich die Befragten dabei vor allem von den Schweizer Reiseveranstaltern mehr Engagement. Eine Mitverantwortung der Reiseveranstalter am Verhalten ihrer Kundschaft werde bejaht.

Sanwald warnte zugleich davor, Verantwortungen zuzuweisen, die nicht wahrgenommen werden könnten. Der Kampf gegen Kindertourismus sei ein Unterfangen, das nur in Zusammenarbeit von Tourismusindustrie, Regierungen, Behörden, Strafverfolgung, Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft gelingen könne. Sanwald erinnerte zugleich an den seit 2003 in der Schweiz implementierten Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus und an das Online-Meldeformular des Bundesamtes für Polizei (fedpol).